Presse
01.06.2017, 09:39 Uhr | Dewezet
Wer braucht welche Sprachförderung?
Nach Kürzung: Landespolitiker sprechen mit Kultusministerin / „Bedarfsgerechte Angebote“ als Ziel
HAMELN. Die Nachricht von der Kürzung der Sprachförderstunden durch das niedersächsische Kultusministerium zieht weitere Kreise. Die hiesigen
Landtagsabgeordneten befassen sich damit, und nicht nur aus den Reihen der Opposition wird Unverständnis laut über das Vorgehen aus Hannover.
Otto Deppmeyer (CDU) kann nach eigenem Bekunden „nicht nachvollziehen, warum diese Dinge beendet werden“, sagt er über die starke Reduzierung der
Sprachlernklassen an Grund- und weiterführenden Schulen. Gerade in Hessisch Oldendorf und auch an der Grundschule in Rohrsen sei der Ausländeranteil so
hoch. „Wir haben zugestimmt, dass 700 zusätzliche Stellen für Sprachlernklassen für Flüchtlinge geschaffen werden“, sagt Deppmeyer über die Arbeit im
Landtag – die seien nicht wieder gekürzt worden, „die hat sie“. Sie ist die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Eine Kleine Anfrage seiner Fraktion an die
Landesregierung liege seit Ende April vor, Überschrift: „Fährt Kultusministerin Heiligenstadt die Sprachförderung an Schulen zurück?“ Antworten auf die 13
Fragen rund um die Sprachförderung stehen noch aus, sagt Deppmeyer. „Dafür haben die aber auch drei Monate Zeit.“ Ab Mitte Juni werde das Thema „in
jeder Landtagssitzung auf die Tagesordnung kommen“, kündigt er an.
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                  Otto Deppmeyer

Auch Ulrich Watermann (SPD), Parteikollege der Kultusministerin, erklärt, dass er sich über die Nachricht von der „Nicht-Genehmigung einiger
Sprachlernklassen im Landkreis Hameln-Pyrmont“ „sehr gewundert“ habe und nachvollziehen könne, dass sie für Irritationen und Unruhe an den Schulen
geführt habe. Er habe daraufhin das Gespräch mit der Kultusministerin gesucht – demnach habe „eine sehr strikte Auslegung einer Anordnung“ letztlich zu
der Nicht-Genehmigung geführt, erklärt Watermann.
Die Basis für die Entscheidung bildet ein Erlass vom Juli 2014. Danach dauert der Besuch einer Sprachlernklasse „in der Regel ein Jahr“, kann aber jederzeit
verkürzt werden – kann aber ebenso in „begründeten Einzelfällen auf zwei Jahre ausgedehnt werden“. „Dies gilt insbesondere für die Schülerinnen und
Schüler mit hohem Alphabetisierungsbedarf und/oder keiner oder geringer schulischer Grundbildung“, heißt es weiter. Ziel soll sein, die Schüler Schritt für
Schritt in die Regelklassen zu integrieren und sie dann mit anderen Möglichkeiten sprachlich weiterhin zu fördern.
Watermann räumt ein, dass „sowohl uns als auch dem niedersächsischen Kultusministerium bewusst ist, dass die Nicht-Genehmigung der Sprachlernklassen
die Verantwortlichen vor Ort vor große Probleme zu stellen scheint“. Die Lösung? „Wir sind im Gespräch mit dem Kultusministerium und sehr darum
bemüht, die Betroffenen nicht im Regen stehen zu lassen und auf den Bedarf vor Ort entsprechend zu reagieren“. Unterstützt wird er dabei von der Grünen-
Abgeordneten Anja Piel. Sie äußert allerdings auch Verständnis dafür, dass die Landesschulbehörde reagiert, „wenn in den Sprachlernklassen immer weniger
Kinder sitzen, weil die Zahl der Geflüchteten zurückgeht“. Es müsse aber weiterhin bedarfsgerechte Angebote für die Sprachförderung geben.
Das sieht auch Annette Hergaden (SPD) vom Kreisverein der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft so. Allerdings nimmt Hergaden die
Kultusministerin in Schutz: Sie stelle sich durchaus den Problemen. „Doch durch den massiven Studien- und Ausbildungsplatzabbau der letzten schwarzgelben
Regierungsperiode sind Arbeitskräfte im Bildungsbereich Mangelware.“
Wie groß letztlich die Diskrepanz zwischen beantragten und genehmigten Stunden für Sprachförderung und -lernklassen an Hamelns Schulen ist, könnte die
Landesschulbehörde aufzeigen. Die Frage der Dewezet vom 22. Mai danach hat sie bislang jedoch nicht beantwortet. Auch vom Kultusministerium gab es
noch keine Antwort auf die Frage, wie viele Stunden insgesamt beantragt und genehmigt wurden. Im Ministerium war mit Verweis auf zurückgehende
Flüchtlingszahlen davon ausgegangen worden, dass die bislang 58 000 Lehrerstunden für Sprachförderung auf 51 000 zurückgefahren werden können.